Montag, 7. Mai 2012

Nächtliche Begegnungen

Nichtsdestotrotz ich hatte meine Damenschuhe, die Gefahr dass meine Frau im Schuhregal darüber stolperte war gering und ich trug die Schuhe meist nachts, wo einem kaum jemand begegnen würde. 

Trotzdem wurde ich 2 mal „erwischt“ einmal eine Gruppe von Jugendlichen (2 Mädchen, drei Jungen) die zunächst verblüfft geschwiegen haben und sich danach tot lachten und einmal traf ich eine Frau (Na toll die hält dich bestimmt für so einen Perversen), die sich erstaunlicher Weise nicht durch mich bedroht fühlte und sich sogar die Zeit nahm mir zu erklären, was da eigentlich mit mir los sein könnte: 

Es stellte sich heraus, dass sie selbst (Daniela damals geschätzte 28 J.) eine sg. Transfrau sei, die bis vor vier Jahren noch ein Mann war. 

Ich war perplex - sie sah wie eine natürliche Frau aus, hatte eine feminine Stimme und bewegte sich auch typisch weiblich, erst als sie mir von sich erzählte, bemerkte ich kleinere Anzeichen, die auf ihr früheres Leben als Mann schließen ließen(Adamsapfel, schmale Hüften, Hände). Sie kam gerade von einer Party und war auch nicht mehr so ganz nüchtern, aber die Begegnung hatte für mich einiges erhellendes. 

Bis zu diesem Zeitpunkt sah ich mich selbst als Mann mit einem irgendwie perversen Fetisch der von seiner Frau bis zu einem gewissen Grad toleriert wird. In annähernd zwei Stunden berichtete Sie mir Ihren Lebensweg und riet mir, mich doch einmal im Internet zu tummeln oder eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. 

Das Thema Transidentitätsstörung kannte ich bis dahin überhaupt nicht, schlimmer noch: Nach meinem damaligen Kenntnisstand waren Transsexuelle in erster Linie Männer die Ihren hormonell veränderten Körper in eindeutig sexuell orientierten Internetseiten exhibitionierten, oder gar sich selbst prostituierten um die Bedürfnisse Ihrer Konsumenten zu befriedigen - eindeutig das, was ich für mich eigentlich immer schon ausschließen und auch nicht sehen wollte. 

Doch nun stand hier diese bezaubernde Frau mitten in der Nacht vor mir und erklärte mir, dass meine Sicht der Dinge nicht nur falsch sondern auch anmaßend sei, besonders in Anbetracht der Tatsache, dass ich so seltsam bekleidet vor ihr stehe und nicht einmal mir selbst befriedigend erklären könne was genau bei mir hier gerade schiefläuft. 

Ich habe sie nie wieder gesehen und muss es auch nicht. Ich danke ihr jedoch im Nachhinein für den Augenöffner, ihre Argumente haben meine Engstirnigkeit gesprengt und ich beabsichtige mit meinen Vorurteilen wesentlich härter ins Gericht zu gehen. 

Aus Furcht vor dem was ich finden würde, habe ich zu diesem Zeitpunkt aber keine Recherchen angestellt, verzichtete sogar für einen kurzen Zeitraum auf diese Art von nächtlichen Ausflügen.

Ungefähr zwei Wochen nach dieser Begegnung fand meine Frau meine Schuhe doch, und sagte schlicht wenn es mir was bedeute könne ich sie ja behalten, aber sie müssen wegen der uns üblicherweise besuchenden anderen Eltern aus dem Schuhregal verschwinden. 

Mich darin sehen wollte sie nicht - es würde ihr bereits reichen anhand der Gebrauchsspuren zu wissen, dass ich sie nicht nur in der Wohnung trage. Sie bat mich lediglich ihr nichts aufzuhalsen, womit ich unser Zusammenleben mit den Nachbarn belasten oder unsere Existenz bedrohen würde. 

Ich hätte spätestens jetzt erkennen sollen, dass meine Frau ahnte was mit mir los ist, wollte es aber nicht wirklich wahrhaben. Ich lebte nach wie vor in Angst, dass sie mein "Geheimnis" entdecken würde.

Samstag, 5. Mai 2012

Teilouting

Ca. 1,5 Jahre gingen ohne weitere Rückfälle in das oben beschriebene Muster ins Land, doch ich fühlte mich zunehmend unwohler in meiner Haut, meine Gedanken schweiften immer öfter ab, warum fühle ich mich so und nicht mehr so wie in der Zeit vor der Schwangerschaft? Alles war so einfach damals, keine Unruhe trieb mich um, warum jetzt, warum so? 

Ich kaufte mir wieder Strumpfhosen, die ich unbemerkt tragen konnte, um wenigstens für mich etwas weibliches an mir zu haben, was soweit keiner bemerken konnte. Ich trug sie während meiner nächtlichen Arbeit sogar offen, da nachts wohl kaum jemand etwas bemerken würde. 

Als Nicko zwei Jahre wurde und der Monitor endlich verschwand, beschlossen wir meine Verwandten im Osten zu besuchen. Da mein Auto für die lange Reise entsprechen präpariert werden musste kam meine Frau auf die Idee mir beim Aufräumen behilflich zu sein und entdeckte eine Strumpfhosenpackung in meinem Handschuhfach und nahm an, ich würde Sie mit einer anderen Frau betrügen. 

Ich erklärte ihr, dass ich diese für mich selbst gekauft habe, da ich einmal ausprobieren wollte wie es sich anfühlt sie zu tragen, verschwieg ihr jedoch, dass ich es schon so oft getan habe. Ich bedauere heute meine Lüge - nein meine Feigheit von damals, hatte ich doch die Angst, dass meine Frau mich für den Gestörten hielt, den ich mir insgeheim immer vorwarf.

Doch cool wie es ihr entspricht, nahm sie das Ding mit in die Wohnung und sagte mir ich kann es anziehen muss aber darauf achten, dass der Kleine mich nicht darin sieht. Kurz und gut, ich zog die Strumpfhose an und präsentierte ihr das Ergebnis. 

Erstaunlicherweise fand sie es sogar gut und sagte, dass sie kein Problem damit habe, wenn ich mich so anziehe, aber sie hätte ein Problem damit, wenn ich ihr präsentieren würde, dass ich weitergehende feminine Kleidung tragen würde, oder aber Nicko`s Erziehung darunter litte. An dem Abend habe ich geweint vor Glück, dass meine Frau so auf mich und meine Bedürfnisse eingegangen ist, ohne sich abgestoßen zu fühlen. 

Vor ca. 2 Jahren kaufte ich mir in einer anderen Stadt ein Paar Pumps in meiner Größe, meine Aufregung war natürlich Groß - alles war geplant - am Freitag vor Rosenmontag kaufte ich also unter der Angabe mich am Rosenmontag als Frau zu verkleiden Pumps in meiner Größe. Bislang hatte ich trotz diverser Einkäufe von Frauenkleidern (grade in den Jahren 1998/1999) nie die Möglichkeit Schuhe in Größe 45 besorgen zu können, in der Zeit war das Internet noch nicht so weit wie heute, und Schuhläden, die solch große Größen führen sind selbst im Ruhrgebiet nicht oft vertreten.

Schon alleine die Suche nach ungewöhnlich großen Damenschuhen war schwierig und den Verkäuferinnen mein Anliegen zu erklären war für mich eine Überwindung, die man kaum nachvollziehen kann. Auch das Anprobieren unter den kritischen Augen von 2 Verkäuferinnen und ca. 4 Kundinnen war schon sehr seltsam, der Adrenalinkick, als eine ältere Dame auf mich zukam und sagte, dass sie wenn sie noch etwas jünger wäre ein ähnliches Modell wählen würde, war unbeschreiblich und ich traute mich die Pumps zu kaufen.

Dermaßen beflügelt, beschloss ich die Schuhe anzubehalten und erst im Auto wieder gegen meine normalen Straßenschuhe zu tauschen. Die Ernüchterung folgte fast sofort. Die Passanten in Düsseldorf nahmen zwar kaum Notiz von meinem seltsamen Schuhwerk bzw. belächelten mich teilweise, wie ich so versuchte zur Tiefgarage zu staksen, aber die ungewohnte Absatzhöhe sowie der damit unbeholfene Gang forderten ihren Tribut  – ich knickte nach kaum 10 Metern um und verstauchte mir den rechten Fuß. 

Hinkend ging ich zum Auto zurück und genoss trotz allem die Tatsache, dass ich in teilweise weiblichem Outfit durch Düsseldorf ging und nicht offen angefeindet wurde.

Meine Chance auf ein glückliches Leben

Ich traf meine heutige Frau auf einem Flohmarkt und verwechselte Sie aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit einer Jugendbekanntschaft, obwohl ich Sie aus meinem beruflichen Leben bereits kannte (nur so am Rande: gibt es eine Art optischen Freud?) schließlich arbeitet Sie als Abteilungsleiterin für Rechnungswesen und Lohnbuchhaltung bei einem unserer größeren Mandanten. 

Sie steckte in einer gescheiterten Beziehung, die im Verlauf der vorangegangenen Monate/letzten 2 Jahre immer mehr zu einer Wohngemeinschaft wurde und wollte eigentlich nur einen guten Freund.

Im Jahr 2000 wurde im Laufe von vielen Telefonaten, Gesprächen und dem wahrnehmen von gemeinsamen Interessen klar wie wichtig und nah wir uns gekommen waren und wie unglaublich wir  einander liebten.

Aufgrund mehrerer Probleme (Tod Ihrer Eltern, der nicht ausziehende ehemalige Lebensgefährte, Krankheit und Tod meiner Eltern) konnten wir unsere Beziehung leider nicht schon so früh ausleben, wie wir das wollten, aber das war für mich kein Hindernis.

Ein Jahr nachdem wir eine gemeinsame Wohnung hatten, erkrankte sie nach einer verschleppten Bronchitis im März 2005 an einer Lungenentzündung. Sie kam nach Hause, wollte mich ansprechen,  hatte bereits blaue Lippen und nicht genug Luft zum sprechen.

Sie fiel mir in die Arme und ich konnte sie noch rechtzeitig ins nächste Krankenhaus bringen. Nachdem Sie wieder gesund war, war für mich eindeutig klar, dass ich sie nicht verlieren wollte, - nein - nie verlieren durfte! 

Ich machte Ihr einen Antrag und heiratete Sie noch im selben Jahr.

Als meine Frau mir Ende Mai 2006 mitteilte, dass sich der ersehnte Nachwuchs einstellt bin ich schier geplatzt vor Glück. Alles schien perfekt - ich hatte gerade den Steuerberaterlehrgang begonnen, der Nachwuchs war unterwegs, meine Andersartigkeit hatte sich seit gut 6 Jahren nicht mehr bemerkbar gemacht - was sollte nun noch schiefgehen?

Erstaunlicherweise reagierte ich ungewollt mit ein wenig Neid, den ich nicht wirklich zuordnen konnte. Bitte jetzt nicht falsch verstehen, natürlich freute ich mich riesig und war natürlich auch nicht Neidzerfressen - es waren eher so kleine Stiche, die ich mir zunächst nicht erklären konnte (oder besser: wollte).

Aufgrund des fortgeschrittenen Alters bei einer Erstgebärenden wurden wir zur Vermeidung von Missbildungen dahingehend beraten eine sg. Fruchtwasseruntersuchung zu machen. Der Eingriff ging auch soweit gut, die Probleme traten jedoch einen Tag später auf – Sie verlor kontinuierlich Fruchtwasser, da sich die Perforation der Fruchtblase aus irgendwelchen Gründen nicht schloss. Nach drei Tagen schickte ihr Gynäkologe uns ins Krankenhaus des Eingriffs zurück, wo dann Oligohydramnion festgestellt wurde und sie stationär aufgenommen wurde. 

Entgegen aller Voraussagen schaffte sie es mit eiserner Willensstärke fünf Monate liegen zu bleiben und unserem Sohn das Leben zu schenken.

Doch geht es hier jetzt nicht um die Begleitumstände bezüglich der Schwangerschaft meiner Frau, ich erwähne dies nur um zu erklären  warum die nächsten Monate meine Sichtweise wieder einmal fundamental änderten.

In diesen 5 Monaten ging zunächst meine Fortbildung zum Teufel, da ich ja nun jeden Tag nach der Arbeit erst einmal für 2-3 Std. nach Oberhausen fuhr, meine Frau ver- und umsorgte, zu Hause ihre Sachen wusch und trocknete. 

Wegen der nicht ganz so optimalen Krankenhausküche im EKO kochte ich auch meist für den nächsten Tag vor, um etwas Genießbares mitbringen zu  können. Viel Zeit zum Lernen hatte ich da nicht mehr, dafür kreisten meine Gedanken nun darum, dass es eigentlich nicht fair ist – gefühlsmäßig müsste ich dort liegen und um unseren Sohn kämpfen. 

So kam es eines Abends, dass ich aus lauter Frust meine Frau wieder im Krankenhaus zurücklassen zu müssen ich mir eine Ihrer aufgrund des Krankenhausaufenthalts kaum gebrauchten Umstandshosen anzog um etwas Nähe von Ihr zu spüren, wenn ich abends allein zu Hause war.

Doch das redete ich mir glaube ich heute eher ein um mich selbst zu beruhigen. Der angeblich erhoffte Effekt blieb natürlich aus, etwas anderes jedoch kam unvermittelt wieder hoch – Da war er wieder der kleine Junge, der so gern ein Mädchen sein wollte, die unterdrückte Frau, die bis vor 7 Jahren mit meiner Männlichkeit kämpfte. 

Mit der Umstandshose fing es an, hörte jedoch nicht wieder auf – bald darauf kaufte ich in einem Supermarkt eine Strumpfhose, die mir besser passen musste als jene, die meine Frau trug, und trug sie ab sofort unter meiner männlichen  Kleidung während meiner Arbeit und zuhause offen unter besagter Umstandshose - es fühlte sich (wieder) total richtig an. In den paar Stunden zuhause mit den besagten Kleidungsstücken fühlte ich mich in meinem Körper halbwegs zuhause.

Sicher, keiner konnte mich so sehen, trotzdem fand ich Trost darin, dass ich mir meiner Selbstwahrnehmung so sicher war, einzig die Vorstellung, dass meine Frau mir auf die Schliche kam, war mir ein einziger Graus. Hinzu kam ein Schamgefühl, dass ich  trotz des guten Gefühls immer wieder an mir zweifelte (Mensch, du bist doch verrückt, das kann doch nicht sein, lass dich doch nicht so gehen)

Ich tat es wieder als fixe Idee ab und versuchte abermals mich selbst zu disziplinieren.Durch außerordentlich männliches Auftreten mit Dreitagebart und damit erzwungener Selbstbetrachtung als Mann im Spiegel gelang es mir mich bis zur Entbindung von dieser zu diesem Zeitpunkt für mich als irgend einen dummen Fetisch eingestuften Verhaltensweise halbwegs zu befreien.

Die Entbindung kam und mit Ihr kamen Frau und Kind nach Hause. Mit den neuen Eindrücken und Aufgaben kam auch etwas Ruhe in mein bewegtes Inneres. 

Die Tatsache, dass Nicko ein Frühchen war und in der Woche nach seiner Geburt infolge einer infektiösen Lungenentzündung Atemaussetzer hatte, bescherte uns für`s erste einen Atemmonitor. Dies und die Tatsache, dass er in 2006 zur Welt kam statt wie vorausgesagt in 2007 sorgte dafür, dass wir das neu eingeführte Erziehungsgeld nicht in Anspruch nehmen konnten.

Hinzu kam, dass wegen der Finanzierung der Eigentumswohnung der finanzielle Spielraum nicht da war, dass einer von uns auf seinen Beruf verzichten konnte. Wir sprachen mit unseren Arbeitgebern ab, dass wir nacheinander Arbeiten gehen konnten. Dies lief im wesentlichen so, dass ich von 3:00 Uhr morgens bis 11:00 und meine Frau von 12:00 – 20:00 arbeitete.

Pubertät, erste Beziehungen

In der Pubertät war ich verständlicherweise erstmal damit beschäftigt herauszufinden wie ich mich zu verhalten hatte, bzw. was die Mädels von mir erwarteten.

Meine Freundinnen aus Kindertagen hatten wenig bis kein Interesse etwas mit dem guten Kumpel zu starten - schließlich kannte man sich ja praktisch das ganze Leben.

Das komplizierte die Sache natürlich gewaltig, der Kontakt war praktisch über Nacht nicht mehr vorhanden, die typischen Mädchenthemen nahmen bei ihnen immer mehr an Bedeutung zu, und als offensichtlicher Junge war ich dabei natürlich nicht mehr gerne gesehen.

Ich übernahm immer mehr die Verhaltensweisen meines Bruders, der mir gegenüber natürlich durch seine fünf Jahre Vorsprung bereits einiges an Erfahrungen gemacht hatte, die ich erst noch hätte sammeln müssen. Dies verhalf mir zu einigen unverhofften Verbesserungen:

  1. Zunächst lockerte sich in den letzten zwei Schuljahren mein eher verklemmtes Verhältnis zu den männlichen Schulkameraden erheblich, die mich bis dahin eher offen ablehnten. Zu Professorhaft kam bisher meine Sprache daher, zu wenig Berührungspunkte mit den typisch jungenhaften Verhaltensweisen schreckte sie in der Vergangeheit zurück. Dies änderte sich nun gewaltig, sprach ich doch nun Ihre Sprache und verhielt mich so, wie man es von mir erwartete.
  2. Mädchen sahen in mir nicht mehr nur den Kumpel, sondern interessierten sich für mich. Der Umstand war für mich zwar schmeichelhaft, ich kam damit aber noch nicht so ganz zurecht.

Dies änderte sich aber nach der Schulzeit fast schlagartig, als ich ein umwerfendes Mädchen kennen lernte:

Meine ersten sexuellen Erfahrungen mit Kerstin, die über die Sommerferien bei Ihrer Oma zu Gast war, hätten zu einer durchaus guten Beziehung führen können, sie war im Abitur und musste wieder nach Hause, als es bei uns heftigst knisterte. 

Sie störte sich nicht an meiner für einen Jungen außergewöhlichen Zurückhaltung, sondern genoß es sogar nicht ständig bedrängt zu werden und damit selbst die Initiative übernehmen zu können. 

Aber ich war im ersten Jahr meiner Ausbildung zum Steuerfachgehilfen, die finanziellen Mittel waren gelinde gesagt begrenzt und meine Möglichkeiten sie in Oldenburg zu besuchen um unsere Beziehung aufrecht zu erhalten waren nicht ausreichend, was dann auch zum Ende der Romanze führte.

In meinem dritten Lehrjahr besuchte ich dann eine Tanzschule und hatte in Claudia eine liebenswerte und begabte Tanzpartnerin und Freundin. Die Tanzschule war mir verhasst, der Lehrer penetrant und je aktiver ich bei Claudia wurde, desto passiver wurde sie. 

Die Beziehung wurde immer anstrengender, je mehr sie Ihre Aktivitäten auf mich einzustellen versuchte. Ich möchte nicht ungerecht wirken - sie tat nahezu alles, was man(n) sich wünschen könnte um die Beziehung aufrecht zu erhalten, doch mir wurde mehr und mehr bewusst, dass ich NICHT der bestimmende Partner sein wollte, oder besser sein konnte. 

Ich schäme mich heute noch, dass ich sie nach dem Abschluss des Kurses ohne weitere Erklärung sitzen ließ, das mir innewohnende Gefühls-Chaos war jedoch stärker als meine Gefühle zu ihr. Ich bin mir sicher, wäre ich der Mann, der ich durch mein Äußeres zu sein scheine, die Beziehung wäre heute noch aktuell und glücklich.

Während meiner Grundausbildung bei der Bundeswehr traf ich dann die nächste bemerkenswerte Frau, die Beziehung endete auch hier aufgrund der Entfernung und meines kaum als Entlohnung zu bezeichnenden Solds. 

Dagmar war in fast jeglicher Beziehung bemerkenswert, mit dem Körper eines Topmodels, dem Gesicht eines Engels und der von mir gesuchten/gewünschten Progressivität gesegnet, hätte auch sie mich auf  Dauer glücklich machen können, doch es hat nicht funktioniert, da ich bevor etwas ernsteres passieren konnte umstationiert wurde.

Nach der Bundeswehr fing ich bei meinem heutigen Arbeitgeber an und lernte mit der Zeit alles das, was mir meine Ausbildung so nicht vermitteln konnte. Mein neuer Arbeitgeber gab mir die Zeit mich in das Büro einzufügen und meine Fähigkeiten auszubauen.

Doch während mein berufliches fortkommen durchaus erfolgreich war, wurde mein Privatleben stets unbefriedigender.

Mehrere kleine Liebschaften kamen und gingen, und ich war trotz der teilweise unglaublich tollen Frauen nie fähig eine Beziehung aufrecht zu erhalten. 

Phasen von "Crossdressing" wie man es heute so schön nennt und der totalen Verleugnung meines selbst, dem Ausleben von extrem männlichen Verhaltensmustern die ich mir selbst aufzwang wechselten und machten mir stark zu schaffen, da ich selbst mir nicht erklären konnte was mich dazu trieb. 

Meine damalige Selbsteinschätzung war kaum schmeichelhaft, nahm ich mich doch selbst als sexuell gestörten wahr, obwohl mit der weiblichen Verkleidung keine eindeutigen sexuellen Verhaltensweisen einher gingen.

1995 kam es dann zu einer Begegnung mit der Tochter einer Arbeitskollegin. 

Melanie wurde mir zum Lebensinhalt, für sie wollte ich mich ändern, meine Verhaltensmuster abwerfen, und ganz und gar Mann sein. Doch auch sie machte die volle Rolle rückwärts, liess jegliche bisher gezeigte Aktivität einschlafen und zog sich von fast allen von sich selbst ausgehenden gesellschaftlichen Kontakten zurück.

Sie überließ fast alle Entscheidungen mir. Ihre zunehmende Antribslosigkeit machte mir schwer zu schaffen. Die ersten Probleme traten auf, die ich -inzwischen verlobt- versuchte durch Zerstreuung zu lösen. Zwei Tage nach einer Urlaubsreise im Jahr 1997 eröffnete sie mir, dass es einen anderen Mann gäbe und dass ich sie bitte freigeben soll. Was soll ich sagen? Ich war eigentlich schon vorher kurz vorm Aufgeben, sie nahm mir die Entscheidung quasi nur ab.

Wenn dies der inbegriff einer Beziehung war, so wollte ich keine weitere.

Die folgenden drei Jahre verbrachte ich in selbstverordneter Einsamkeit und widmete mich meiner beruflichen Weiterbildung, indem ich einen Bilanzbuchhalterkurs absolvierte. Da nun keine Notwendigkeit der Selbstbeschränkung mehr da war, fing ich wieder an innerhalb meiner Wohnung weibliche Kleidung zu tragen, nur um alle paar Monate einen Rappel zu bekommen, alles wegzuwerfen und den Versuch zu starten mich dahingehend selbst zu diszipliniern es sein zu lassen. Immer mit dem Erfolg ein paar Wochen durchzuhalten um doch wieder rückfällig zu werden.

Aus heutiger Sicht* ist es kein Wunder, man kann ja schließlich auch nicht aufhören zu atmen, ohne dass man irgendwann nach Luft schnappt. Die Frau in mir brauchte halt eben ihre Luft und wenn es nur zuhause in den eigenen 4 Wänden war. Ein Rückfall war dann mal so heftig, dass es reichte:

*(ich wußte damals nichts über Transsexualität, und ging einfach davon aus, dass ich irgendwo gestört war.)

In einem Anfall von geistiger Umnachtung betrachtete ich meinen Unterleib und wollte mittels eines Skalpells, welches ich ursprünglich für Modellbauzwecke angeschafft hatte, meinem Problem selbst zuleibe rücken. 

Allein die Angst vor dem Schmerz hielt mich davon ab mir ernsthaft zu schaden, aber dieser Abend sowie die Tatsache, dass ich unter der mir selbst auferlegten Einsamkeit litt, beendete fürs erste meine gefühlte Weiblichkeit. 

Zu groß wurde die Unsicherheit bezüglich meiner selbst und meines Geisteszustands. Hinzu kam, dass drei Tage nach diesem Abend bei mir eine Gesichtslähmung auftrat, deren Heilung mich für die nächsten zwei Monate voll beschäftigte. Ich vermute heute, dass sie Ausdruck meines durchlebten Stresses war.

"So wird das nichts" dachte ich damals "du musst, wenn du wieder eine Beziehung willst erstmal auf den Boden zurückfinden, dem Spuk ein Ende machen und eine Partnerin suchen."


Donnerstag, 3. Mai 2012

Was bleibt ist ein Anfang

Hallo, was als Überschrift recht orakelhaft daherkommt ist mein Versuch mir selbst und den vielleicht interressierten ein Tagebuch über die Gefühlswelt einer Transsexuellen zu eröffnen.

Ich stehe mit meiner Entwicklung noch ganz am Anfang. Dementsprechend fange ich erst einmal damit an mich vorzustellen und dem Ausdruck zu verleihen, was mich bewegt. Ich denke ich fange mal zunächst mit meiner Kindheit und Pubertät an, in den folgenden Postings werde ich dann die nächsten Jahre abarbeiten, bis ich zum heute komme.

Ich entschuldige mich schon mal im voraus, wenn die ersten Postings nicht ganz so toll und lesenswert erscheinen wie man es vielleicht von anderen Seiten her kennt, aber ich verfüge leider (noch) nicht über allzuviele Webkenntnisse und muss mich erstmal in den Editor einarbeiten. Auch muss ich gestehen, dass ich momentan ein wenig neben der Spur bin und deshalb versuche diesen "Seelenstriptease" so schnell wie möglich hinter mich zu bringen, da es auch mir hilft, das gewesene noch einmal zu verarbeiten.


Ich wurde 1970 mit geboren und aufgrund meiner männlichen Geschlechtsmerkmale folglich als Mann registriert, abgestempelt und abgeferkelt. 

In meiner Kindheit, die ich in einer liebevollen Familie bestehend aus Vater, Mutter und 5 Jahre älterem Bruder genießen durfte, war ich im wesentlichen immer damit beschäftigt alles so zu machen, wie die Umwelt es von mir erwartete. Offenbar gelang dies so gut, dass zunächst keinem auffiel, dass es Unterschiede zur Entwicklung eines Jungen gab.

Und doch gab es diese Unterschiede, die aus heutiger Sicht vielleicht Aufschluss hätten geben können, doch in der damaligen Zeit wurde noch nicht nach solchen gesucht:

  1. Ich spielte nach Möglichkeit stets mit den Mädchen meiner Umgebung, was dahingehend interpretiert wurde, dass ich wohl mal der "Herzensbrecher" der Nation werden würde
  2. Die Art der Spiele war meist weiblicher Natur - Dinge wie Vater, Mutter, Kind, Puppen- und Rollenspiele waren um ein vielfaches interessanter als der typisch männliche Kram und alle freuten sich wie sozial ich mich doch entwickelte.
  3. Ich war Pflegeleicht, angepasst und abwaschbar, will sagen ein eher introvertiertes Kind, dass sich Stundenlang selbst beschäftigen konnte, ohne in irgendeiner Weise größere Auseinadersetzungen zu provozieren, außer vielleicht mit meinem Bruder oder wenn Ungerechtigkeiten auf dem Plan waren. Kein Grund also für große Diskussionen.

Nun ja alles in allem entwickelte ich mich den Umständen entsprechend. Durch meine Kontaktarmut gerade in bezug auf Jungs versuchten meine Eltern zunächst mir durch Anmeldung in einem Fußballverein eine Hilfestellung zu geben, was kläglich scheiterte, erst nachdem meine Mutter auf die Idee kam mich in einem Schwimmverein anzumelden, der mit seinen gemischten Gruppen mehr Möglichkeiten bot mich zu integrieren wurde ein Schuh draus. Im Alter von 8 Jahren merkte ich dann zum ersten Mal, das ich mich in der mir zugewiesenen Rolle nicht so wohl fühlte, wie es augenscheinlich mein Bruder tat.

Weibliche Kleidung war um ein vielfaches interessanter als der Murks den ich so zu tragen hatte, mit wenigen Ausnahmen waren meine Spielkameraden/Freunde weiblichen Geschlechts und ich fühlte mich zunehmend unwohler in meiner Haut.

Irgendwann, so ca. mit 9 erreichte meine körperliche Entwicklung eine Größe, die in etwa den körperlichen Ausprägungen meiner Mutter entsprach und ich begann heimlich in den Stunden, in denen ich alleine zuhause war die Kleidung meiner Mutter anzuziehen. Uuuiiiih, man was fühlte sich das gut an - falsch - es fühlte sich ganz einfach richtig an! Doch ich traute mich nie es meinen Eltern zu offenbaren.

Die Zeit verging und ich zweifelte immer mehr an mir, während ich immer wieder und immer öfter die Kleidung meiner Mutter anzog, bis zu dem Tag, an dem ich in der Meinung keiner würde meiner für einen Jungen absonderlichen Bekleidung großartig Beachtung schenken, (schließlich bin ich ja "nur" ein Kind, die meisten Erwachsenen sind auf der Arbeit und meine Eltern kaufen in dem Laden ja sowieso nie ein) versuchte mir in dem Outfit ein Eis zu kaufen.

Eine Nachbarin war zufällig in dem Tante-Emmaladen, und kaufte etwas ein, ich war zwar versucht immer ein Regal oder eine Eistruhe zwischen mir und ihr zu halten und war darin auch erfolgreich aber das Klappern der Pumps konnte ihrer Aufmerksamkeit wohl kaum entgehen. Trotzdem kam ich nach vollbrachter Tat (Die Verkäuferin schaute zwar etwas irritiert, sagte aber nix) gut wieder nach Hause.

Zwei Minuten später klingelte besagte Nachbarin und las mir die Leviten. "Das geht doch nicht"... "klar die Sachen sehn gut aus, doch es steht mir nicht zu sie zu tragen"... "ich bin doch nun alt genug um zu verstehen, dass alles was ich mache auf meine Eltern zurückfällt" - AUTSCH, das tat weh! Alles in allem sagte sie mir zu, meinen Eltern nichts zu verraten, aber ich selbst sollte dies tun. Sie hielt Wort, ich leider oder (wenn man bedenkt, dass ich glücklicher Vater bin) Gottseidank nicht.

Ich sah von da an erstmal davon ab weibliche Kleidung zu tragen und versuchte mehr denn je meine männliche Maske auszubauen. Mit erreichen der Pubertät und zunehmendem Interesse am weiblichen Geschlecht wurden meine Selbstzweifel immer geringer. "Puh - ich dachte schon ich wäre schwul)  In meinem damaligen Denken war dies durchaus eine Belastung."

Mit den ersten -noch kleineren- Beziehungen wurde ich immer selbstsicherer in Bezug auf mein mir aufgezwungenes Rollenverhalten, sodass ich vorerst nicht mehr groß auf mein inneres hörte, auch wenn es von Zeit zu Zeit aufschrie.